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10. Juli 2018

Kili

Kili



Kili hat ihre Pflegestelle verlassen und lebt nun bei ihrer eigenen Familie in Birkenfeld.

Wir haben Kilis Vorgeschichte für Sie dokumentiert.


29. Juni 2018: Angekommen

Sehr geehrte Frau Behn,

ich wollte Ihnen mitteilen wie es Kili bei uns geht. Auf der Fahrt von Göppingen nach Birkenfeld hat sie nur anfangs für ca. 10 min leicht gemiepst. Die restliche Fahrt war sehr entspannt und als wir ankamen, ist sie sofort aus der Gitter-Box und aus dem Auto raus gehüpft. Wir holten unseren Malinois, Sambo, dazu und gingen erstmal eine kleine Runde spazieren.
Ihre Box habe ich in mein Zimmer neber das Bett gestellt. Sie ist allerdings als erstes aufs Bett gehopst und auch dort geblieben. Da sie sich dort sicher fühlte und bis heute fühlt, wollte ich sie nicht vom Bett runter und in ihre Box zwingen. Nun da ich weiß, dass die kleine Maus immer aufs Bett hüpft, mache ich nach jedem Gassi gehen ihre Pfoten und ihren Po mit Feuchttüchern sauber. Anfangs merkte man, dass es ihr sehr unangenehm war an den Pfoten berührt zu werden. Doch nun durch die Hitze des Asphalts im Sommer, ist so ein kühles feuchtes Tuch für die Pfoten doch ganz angenehm. Und sie versteift sich nicht mehr so stark beim Pfoten säubern.

Wir gehen übrigens morgens um 6:00 Uhr, mittags um 13:00 Uhr und abends um 6:00 Uhr spazieren. Nachts zum Schlafen kommt sie in die Gitter-Box, da ich ansonsten Angst hab sie zu überrollen. Am ersten Tag im neuen Heim hatte die Maus vor lauter Stress Durchfall und hatte auch zweimal ins Haus gekotet. Einmal hatte sie sich im Wohnzimmer und einmal im Esszimmer gelöst. Allerdings hatte ich das schon erwartet, da ihre Pflegestelle uns sagte, dass Kili einen empfindlichen Darm hat. Jedoch ging Kili schon am ersten Tag auf Kuschelkurs mit mir, also schien der Neuanfang nicht all zu unerträglich zu sein. Am darauf folgenden Tag war der Durchfall bereits verschwunden und sie machte auch nicht mehr ins Haus. Durch ihre Missgeschicke kam ich auf den Entschluss, sie nur in meinem Zimmer zu lassen und ihr Stück für Stück mehr des Hauses zu zeigen. Das klappte soweit ganz gut. Hatte sie sich auf ihrer Erkundungstour durchs Haus erschreckt, rannte sie sofort in ihre "Safe-Zone", mein Zimmer. Mittlerweile hat sie auch im Flur und im Wohnzimmer einen Wohlfühlplatz. Einmal das Bett vom Sambo, das er sowieso nie benutzt, da der Boden ja viel angenehmer für alte Hunde Knochen ist *Ironie*, und einmal die Couch. Sie ist wirklich sehr ängstlich, was, wie mir scheint, auf mangelnde Sozialisierung zurück zu führen ist. Sie scheint sehr viele Geräusche nie kennengelernt zu haben wie z.B. eine Brotbox, die beim Schließen ein Klick-Geräusch von sich gibt oder die Geräusche, die entstehen, wenn man Salat auf einem Brettchen schneidet. Allein das Öffnen einer Schublade ist für Kili Grund genug, den Raum zu verlassen.
Diese Unmengen an Ängsten, die sie mit sich schleppt, sind Mitleid erregend, doch ich zwinge mich, sie zu ignorieren. Wenn Kili Angst vor einem Lkw kriegt, dann ignoriere ich sie. Ich fasse sie nicht an, ich spreche sie nicht an und ich gucke sie nicht an. Sie hat mittlerweile gemerkt, dass wenn ich nicht auf einen Lkw reagiere, sie es auch nicht muss. Sambo, der früher auch höllische Angst vor lauten Geräuschen hatte, ist bereits so entspannt, dass man mit ihm ohne Leine an der Straße entlang kann. Seine Gelassenheit überträgt er auch auf Kili.
Anfangs habe ich Kili nur aus der Hand gefüttert, bis sie keine Angst mehr vor ihr hatte und sie nicht jedes mal den Kopf senkte, wenn man seine Hand ausstreckte, um sie zu streicheln.

Kili heißt jetzt bei uns Mücke und Mücke hat sich schon ganz gut eingelebt, jedoch liegt noch viel Arbeit vor uns, was ihre Ängste angeht. Die Arbeit nehme ich aber willentlich in Kauf. Ich liebe die Kleine jetzt schon. Es hatte nur drei Tage gebraucht. Nur drei Tage und ich hab sie in mein Herz geschlossen. Da ich schon einen ganzen Roman an Sie verfasst habe und ich mir sicher bin, dass Sie noch Wichtigeres zu tun haben, habe ich mich dazu entschlossen, diese E-Mail hier zu beenden und die Bilder für mich sprechen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen
Felicitas E.

Kili Kili

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