20. März 2008, ein ungemütlicher, nasskalter Frühlingstag, eigentlich ein Tag, an dem man nicht einmal einen
Hund vor die Tür jagen mag. Ein Auto hält vor dem Tierheim, zwei Italiener steigen aus, haben einen Hund auf der Straße
aufgelesen, krank, verletzt. Er sitzt in einem Karton im Fußraum des Beifahrersitzes.
Was nun? Eigentlich dürfen wir gerade mal wieder keine Hunde aufnehmen - Verfügung der Gemeinden. Wir gehen natürlich
trotzdem hin, um zu schauen.
Und sind erschüttert! Ein schüchterner, sanftmütiger Gremlin schaut uns vom Karton herauf an, eine große Wunde
quer im Gesicht, die Augen und Ohren voll Eiter, eine riesen Wunde am Schenkel, überall kleinere Wunden. Und das war nur der
erste Blick, den wir auf ihn werfen konnten.
Natürlich haben wir ihn herein geholt (wie schafft es Charlotte bloß immer wieder, den Ärger mit den Gemeinden
auszufechten, um den Hunden doch noch helfen zu können?) und erstmal medizinisch versorgt. Augen, Ohren und Wunden wurden
gereinigt, alles mit Salben versorgt, Antibiotika gespritzt - alles hat er sich ohne Gegenwehr gefallen lassen, hat bloß manchmal
unsere Hände geleckt, Dankbarkeit in den traurigen Augen.
Dabei haben wir dann noch ein Handicap bei ihm entdeckt. Eins, das seine Chancen, jemals ein normales Leben in einer Familie zu
führen, auf ein Minimum zusammenschrumpfen lässt. Dr. House, wie wir ihn nannten, ist ohne Vorhaut und die Tasche geboren,
in der normalerweise der Penis eines Rüden verschwindet (wenn er nicht gerade gebraucht wird). Dadurch steht er bei unserem
kleinen Gremlin immer hervor und ist - durch das permanente Austrocknen und die Berührung mit allem möglichen Unrat - voller
warziger Geschwulste. Er kann damit leben, es ist ein Schönheitsfehler, mehr nicht. Die Frage ist nur, ob ihm jemand diesen Mangel
an Schönheit verzeiht.
Mittlerweile hat sich Dr. House im Canile eingewöhnt, seine Wunden verheilen und er hat ein klein wenig an Lebensfreude zurück
gewonnen. Vermutlich hat er es lange Zeit sehr viel schlechter gehabt als hier. Er ist ein liebevoller, schmusiger kleiner Hund und
freut sich über jede Aufmerksamkeit, auch wenn es nur darum geht, dass er behandelt wird. Wenn jemand in sein Gehege kommt,
trippelt er ganz entzückend mit den Vorderpfoten hin und her und erinnert fast an einen Lipizzaner der Wiener Hofreitschule.
Dabei kann er lachen, wenn er will - ja, er lacht wirklich, wenn er sich freut!
Doc hat sich auch einen Platz im großen Rudel ergattert - als Kleinster! Gerade mal 32 cm groß ist er und verschwindet
zwischen den Riesen, die alle mindestens doppelt so groß sind wie er. Aber er watschelt wichtig zwischen den Großen herum,
kein Thema, er wird ja allein wegen seines akademischen Grades von den anderen respektiert. Also kein Problem, vertragen tut er sich
sowieso mit jedem.
Geboren wurde er vermutlich 2002, er hat also noch viele schöne Jahre vor sich. Ok, er ist kein Ausbund an Schönheit. Aber
vermutlich ist Dr. House auch gar kein Hund. Sondern ein kleiner, intelligenter, liebevoller Kobold, der etwas absolut Besonderes an
sich hat. Etwas, dem man sich kaum entziehen kann, wenn man ihn erstmal kennt. Er kann soooo viel Liebe geben und besitzt eine Sanftmut,
die aus der - von ihm geduldig ertragenen - Unfairness des Lebens resultiert.
Wer also keinen Standard-Hund sucht, sondern einem intelligenten, liebevollen Fabelwesen mit Handicap eine Chance geben möchte, der
möge sich bei uns melden. Wenn Sie den Mut haben, unseren kleinen Gremlin aufzunehmen, wird er es Ihnen 1000fach danken.
Bis dahin aber würde er sich unheimlich über einen Paten freuen. Vielleicht schaffen wir es dann ja auch mal, sein bisher
noch seltenes Lachen im Bild einzufangen.
Aktuelle Bilder vom 26. April 2008:
2. August 2008
Für den Doc hat ein neues Leben begonnen.
Viele Details kennen wir noch nicht, aber dafür haben wir schon einige Bilder
seiner neuen Wirkungsstätte in der Schweiz erhalten ;-)