Ein Morgen wie jeder andere, der 24. März 2009 ... wie jeder andere??? Ja leider: wie jeder andere!
Als wir ins Canile kommen, finden wir vor dem Tor an einem Baum angebunden einen kleinen, völlig
verstörten Rüden. Neben ihm ein umgestürzter Pappkarton und ein Hemd, das wohl mal darin
gelegen haben mag - der misslungene Versuch, ihm die ungemütliche Nacht am Baum einen halben Meter
neben der viel befahrenen Landstraße etwas weniger unangenehm zu machen.
Kategorie 'alt und entsorgt' ist unser erstes Urteil. Das müssen wir aber nach kurzer Zeit revidieren,
er gehört nämlich zu der Kategorie 'geliebt, alt und trotzdem entsorgt'. Welch ein Unterschied,
werden die geneigten Tierfreunde denken, die das jetzt lesen - es ist aber tatsächlich einer. Admiral
Nemo - wie wir den Kleinen wegen seiner, trotz der misslichen Umstände immer noch bewahrten Würde
getauft haben - ist nämlich in einem relativ guten Pflegezustand und vor allem dick und rund
gefüttert: Ein eindeutiges Zeichen italienischer Tierliebe, die ausschließlich durch den Magen
geht. Warum solch ein Hund dann trotzdem mit einem Strick um den Hals an einer entwürdigend-dicken
Kette (die er mit Sicherheit schon lange getragen hat) vor dem Tierheim angebunden wird, wird sich den
Gedankengängen deutscher Tierschützer wohl auf immer entziehen.
Im Moment können wir über Nemo noch nicht all zuviel sagen. Er ist aufgrund der Umstände
ziemlich verstört und trauert sehr, scheint aber ein lieber, ruhiger und verträglicher kleiner
Rüde zu sein.
Nach seinen abgenutzten Zähnen zu urteilen, würden wir ihn als recht alt einschätzen,
aber unsere
Tierärztin hält ihn nach eingehender Untersuchung für jünger, höchstens sechs Jahre.
Vielleicht hat er viel mit Steinen gespielt oder in Gitterstäbe gebissen. Bei diesem Alter ist es
jedenfalls noch unverständlicher, warum er einfach so abgeschoben wurde.
Wir werden auch hier versuchen, im Laufe der nächsten Zeit Genaueres über ihn zu erfahren.
Wir wünschen dem armen kleinen Kerl nur von ganzem Herzen, dass er jemanden findet, der mit viel Liebe
und einem gemütlichen Platz auf dem Sofa das wieder gut macht, was seine alten Besitzer an ihm
verbrochen haben. Wie schrecklich wäre es, wenn er nach all den (mehr oder weniger guten) Jahren als
Familienhund eines Tages einsam im Canile sterben müsste.
3. Mai 2009
Ob nun Admiral oder nur Käpt'n - jedenfalls hat Nemo heute glücklich das Canile verlassen
und
ist auf einer Pflegestelle in Minden gelandet.
Das lässt für ihn hoffen, dass es nun wieder
aufwärts geht ...
16. Mai 2009
... und WIE das aufwärts geht!
Am Fluss rumhängen, mit seinen neuen Kumpels toben, sich von früh bis spät verkraulen lassen.
So gefällt das unserm Herrn Admiral.
Unsere Pflegestelle berichtet:
„Nemo ist ein Schatz und lebt sich immer besser ein.
Er liebt jede Streicheleinheit, die er bekommen kann und schmust ohne Ende.”
Dem ist nur noch dies hier hinzuzufügen:
... und dies hier:
29. Mai: Nemo hat wieder Nachschub geliefert:
Seine Pflegemama hat neue Fotos geschickt. Sie ist nach wie vor begeistert von ihm. Er hat wohl ganz toll gespielt mit
allen Hunden und inzwischen ist auch klar, dass er mit Katzen super auskommt.
So wie wir ihn inzwischen kennengelernt haben, scheint es, dass Nemo am besten in einen Haushalt kommen sollte, wo es
ruhig ist, und vielleicht noch
maximal ein Hund in seiner Größe sein sollte. Ein älteres, aber agiles Ehepaar wäre nicht schlecht,
wo er rund um die Uhr bekuschelt werden kann. Denn da hat er offensichtlich einen ganz großen Nachholbedarf.
Juli 2009:
Der Admiral hat sich sehr gut bei seiner Pflegestelle integriert und ist sehr anhänglich. Dabei zeigt er sich als
fröhlicher, lebhafter Kerl.
Er ist jetzt kastriert worden, wobei ihm die Tüte um den Hals nicht besonders gefallen hat. Bei der Gelegenheit wurde
er auch gleich noch rasiert, weil ihm die Wärme so zu schaffen macht. Der Tierarzt meinte, er hätte noch nie
soviel Fell an so einem kleinen Hund gesehen...
Unser Admiral Nemo hat die Herzen einer Familie in Bremerhaven erobert und bereichert
nun mit seiner inneren Größe deren Leben.
Vermittelt am 11. Oktober 2009