Banner

9. September 2010

Mao - oder: Wer ist hier böse?

Mao Mao

Mao muss ein entzückender Welpe gewesen sein: weiß, strubbelig, verspielt ... eigentlich hätte es das Leben gut mit ihm meinen sollen. Doch für Mao waren auf dieser Welt nur Bitterkeit, Schläge, Fußtritte und Lieblosigkeit vorgesehen. Aber schauen wir uns seine Geschichte genauer an.

Mao Als Mao noch winzig klein und völlig unbedarft war, wurde er von Chinesen adoptiert. In der Regel sind Hunde für die dort lebenden Asiaten entweder Essen oder die billigste Form, sich und ihr Eigentum zu schützen. Und genau so abfällig werden sie dann auch behandelt.

Mao wurde vom ersten Tag an an eine kurze Kette gelegt und sollte ein Fabrikgelände beschützen. Wie wohl, wenn er sich kaum bewegen konnte? Er war klein und brauchte so dringend Liebe - bekommen hat er dagegen nur Schläge und Tritte. Damals wuchs ein abgrundtiefes Misstrauen gegen Menschen in ihm. Wer war hier böse?

Er war ungefähr ein Jahr alt, da gelang ihm die Flucht - aufgegeben hat Mao nie. Allerdings fing man ihn schnell wieder ein und brachte ihn in ein Sanitätstierheim. Die Chinesen verschwanden im Nirwana, niemand konnte sie mehr finden - das war wohl auch besser so. Da er nun niemandem mehr gehörte, versuchte man, ein neues Zuhause für den mittlerweile stattlichen weißen Kerl zu finden. Aber keiner wollte ihn haben, denn sobald jemand an seine Gitterstäbe trat, wurde er mit Knurren und Zähnefletschen begrüßt. Mao war böse - dachten zumindest die Menschen, die ihn betreuten.

Niemand bemerkte, dass er im Auslauf, den er regelmäßig besuchen durfte, ruhig und freundlich war. Dass er dort aggressionslos entlang der anderen Hunde seine Runden drehte. Mao hatte sein Stigma weg - keiner mochte ihn, Mao war böse. Schon nach zwei Wochen musste er das Sanitätstierheim wieder verlassen und wurde in eine der Hundehöllen Italiens abgeschoben. Auch dort kam er wieder an die Kette - 3m im Durchmesser, in der hintersten Ecke des Caniles, ohne Schutz vor Witterung, ohne Ansprache. Lebenslang. Nie mehr Freilauf, kein Kontakt zu Hunden, das Fressen wurde ihm nur zugeworfen, keiner berührte ihn mehr - Mao war ja böse.

Mao Nachdem das Tierheim, in dem er vor sich hin vegetierte, endlich konfisziert wurde, suchte Patricia nach ihm. Sie kannte ihn von damals, als er ein junger Hund gewesen war und mochte nicht so recht an den 'bösen Hund' in ihm glauben. Sie fand ihn zusammen mit einer Hündin in einem winzigen, verwahrlosten Zwinger, den er nach der Konfiszierung geerbt hatte. Auch jetzt traute sich niemand an ihn heran, weil er alle mit Knurren begrüßte. Aber die Hündin akzeptierte er anstandslos. War er wirklich böse oder waren es nicht viel mehr die Menschen, unter deren Obhut er nun schon seit sieben Jahren nur das Schlechteste erlebt hatte?

Auch Patricia erntete am ersten Tag Maos Knurren. Aber sie ließ nicht locker und begrüßte ihn jeden Morgen wieder mit Leckerlis. Und binnen weniger Tage taute der 'böse Hund' auf, wurde zugänglicher, ließ sich anfassen, dann streicheln und schließlich sogar anstandslos medizinisch versorgen. Zum ersten Mal in seinem Leben bekam Mao Liebe und Zärtlichkeit und er reagierte sofort darauf. Eine Zeitlang knurrte er noch Fremde an, die an seine Gitterstäbe traten, aber auch das ließ langsam nach und Mao wurde immer friedlicher. Da er eigentlich nie wirklich aggressiv gegen Menschen gewesen war, wurde aus dem bösen Hund jetzt endlich ein Hund, der nur noch als 'schwierig' galt.

Ganz einfach wird Mao vermutlich auch nie mehr werden. Dazu hat er zu viel Schlechtes mit Menschen erleben müssen. Er wird nie ein großer Schmuser werden, er wird immer Respekt verlangen und eine natürliche Distanz zu Menschen einhalten. Er wird vermutlich nie mehr spielen lernen, wird nie Rüden akzeptieren und sein Blick fremden Menschen gegenüber wird immer misstrauisch bleiben. - Aber er freut sich mittlerweile schwanzwedelnd über Menschen, die er mag. Er geht jeden Tag mit seiner Hündin zusammen in den Freilauf und freut sich springend und hüpfend über die Freiheit, die er dort genießen darf. Wenn er zurück in sein Gehege muss, reicht ein Keks von Patricia und er kommt freudig an und macht anstandlos und zufrieden, was sie von ihm möchte.

Mao Mao wird nie mehr die Chance auf ein normales Leben haben. Aber er ist kein böser Hund - er ist nicht einmal annähernd so böse, wie die Menschen, die ihn all die Jahre in ihrer Obhut hatten. Wir wissen, dass seine Chancen auf eine Vermittlung verschwindend gering sind und Mao bereitet sich darauf vor, auch den Rest seines Lebens in der Einsamkeit eines Tierheims zu verbringen.

Aber wir haben noch eine klitzekleine Hoffnung behalten. Die Hoffnung auf hundeerfahrene Menschen, die sich von seiner grimmigen Fassade nicht erschrecken lassen. Die den Hund hinter der Maske erkennen, der nie eine Chance hatte, sich zu zeigen. Die Zeit und Muße haben, eine Verbindung zu seiner versteckten Seele aufzubauen und Maos Vertrauen zu erringen. Die ihn erziehen, ohne seinen Stolz zu brechen, den er sich all die Jahre erhalten konnte. Die einen Hundetrainer kennen, der das Potential dieses nicht nur körperlich großen Hundes fördern kann.

Die Hoffnung auf Menschen mit einem großen Grundstück, auf dem Mao sich frei bewegen und wohlfühlen kann. Ohne Kinder und Kleintiere, vielleicht mit einer gleich großen Hündin zusammen. Auf Menschen mit einem Haus, in dem das Wort Geborgenheit endlich Inhalt für ihn bekommt. Und mit einem Herzen, das so groß ist wie das von Mao selbst, der all die Jahre der Tortur über sich ergehen ließ und sich doch das Potential erhalten hat, auf Menschen zuzugehen.

Mao ist nicht böse! Er ist aber eine Herausforderung für echte Hundekenner und -liebhaber - allerdings eine, die sich lohnt!

Bis Mao ein eigenes Zuhause gefunden hat, würde er sich übrigens sehr über das eine oder andere Patengeschenk freuen. Er hat ja noch nicht wirklich viel vom Leben gehabt, vielleicht schaffen wir es gemeinsam, ihm das Vertrauen in Menschen doch noch wieder zu geben.


15. Dezember 2010

Von Mao gibt es leider nur traurige Neuigkeiten. Er hatte Mitte Oktober einen Schlaganfall, den er nur knapp überstanden hat. Der Eisbär ist jetzt außer Lebensgefahr, aber nur noch ein Schatten seiner selbst. Wie ein Häufchen Elend fristet er die Tage in seinem Gehege und liebebedürftig wie vorher nie sucht er die Nähe der wenigen Menschen, denen er vertraut. Er genießt es nun sehr, wenn sich jemand Zeit für ein paar Minuten zum Schmusen mit ihm nimmt und ist traurig, wenn er verlassen wird.

Wie lange Mao noch zu leben hat, wissen wir nicht - eigentlich ist er ja noch gar nicht so alt. Es kann kurz sein, aber genauso gut noch Jahre dauern, bis er ganz aufgibt. Aber wir würden uns sehr freuen, wenn er in dieser Zeit wenigstens noch einen Paten finden könnte, der ihm zumindest auf die Entfernung das Gefühl gibt, geliebt zu werden.

21. Dezember 2010:

Mao Mao
Mao Mao



Januar 2011

Maos Geschichte hat viele Menschen berührt. Sie möchten ihn unterstützen in der Hoffnung, dass er wieder etwas Lebensmut zurückgewinnen kann und erkennt, dass er von den Menschen nicht nur Schlechtes erwarten muss.

Esther Stadler und Franz Fausten, Sonja Theophil und Familie Hahnefeld greifen ihm finanziell unter die Pfoten.
Und Pakete von Birgitt Herwig, Sonja Theophil, Katharina Quander und Marei Bonnemeier werden ihm ab und zu einen besonderen Tag bescheren. Wenn diese Zuwendung bei Mao auch nur ein kleines bisschen der Freude oder Lebenslust auslöst, die sie bei vielen anderen unserer Patenhunde bewirkt, dann wäre ihm viel geholfen.

Vielen Dank im Namen von Mao! - das ganze adopTiere Team



Auch Mao hatte endlich einmal Glück in seinem Leben! Er hat eine Familie gefunden, die ihn so nimmt, wie er ist.

Wir freuen uns ganz besonders für Mao, der jetzt endlich auch einmal auf der hellen Seite des Lebens stehen darf!


Vermittelt am 20. Februar 2011


zurueck