Die kleine schwarze Hündin war gerade mal sieben Monate alt, als ihre Besitzer ihrer überdrüssig wurden und sie im Jahr
1998 in eine italienische Hundehölle abschoben. Ein Ort des Grauens, der normalerweise wohl ihre letzte Station vor dem Tod
gewesen wäre, denn Hunde, die dort hinein kommen, haben ein One-way-Ticket - heraus kommen sie nie mehr. Das einzige, was in
den Eingangsbüchern von dem Welpenmädchen verzeichnet wurde, war ihr Alter und der Name: Mariù. Aber es sollete sie
für die nächsten zehn Jahre niemand mehr bei diesem Namen rufen.
Ob man es als Glück bezeichnen soll, dass die Institution, in der das sanfte Hundemädchen fast sein gesamtes Leben
verbringen musste, so schreckliche Haltungsbedingungen für die Hunde aufwies, dass sogar die italienischen Behörden
irgendwann eingriffen, und die Hunde konfiszierten??? Diese Art von Glück ist wohl mehr als zweifelhaft, brachte Mariù
und vielen ihrer Leidensgenossen aber den Vorteil, dass sie nach langen Jahren des Martyriums endlich Tierschützern
übergeben wurden, die ihre Aufgabe ernst nehmen und sich heute viel Mühe mit den überlebenden Hunden geben.
Als Patricia, Mariùs heutige Pflegerin, das kleine Hundemädchen zum ersten Mal sah, saß sie versteckt und
komplett verschüchtert in der äußersten Ecke des kleinen, vollständig verkoteten Geheges in der Hundehölle,
das sie mit Jack dem Setter und der Hündin Miss teilte. Es gab kein Dach gegen die heiße Sonne im Sommer oder den
Schneeregen im Winter, die Hundehütten waren nur noch zerbissene Fragmente und boten keinen Schutz. Nichts als Drahtwände
teilten das Gehege von den anderen, ebenso kleinen und ebenso überbelegten Gehegen, die vollgepropft mit völlig gestressten
und teils aggressiven Hunden Reihe an Reihe standen und ihren Gestank und den unerträglichen Frust des Daseins ihrer Insassen in
der Umgebung verteilten.
Die kleine Mariù wehrte sich nicht, als sie hochgenommen und aus ihrem Verlies getragen wurde. Wer weiß, ob sie nicht
dachte, dass ihr Ende nun doch gekommen sei? Auch in ihrem neuen Canile tat und tut sie sich bis heute ein wenig schwer. Es geht ihr
nun zwar wesentlich besser als damals, aber sie gehört immer noch zu den Hunden, die still und demütig ihr Schicksal ertragen,
nie etwas einfordern und sich kaum trauen, Freude über Menschen zu zeigen, die sie besuchen und sich um sie kümmern.
Dabei liebt sie es eigentlich, gestreichelt zu werden, sie mag das stille Beisammensein mit ihren Pflegern und fühlt sich in
der Geborgenheit ihrer Nähe sichtlich wohl. Aber Mariù hat so nachhaltig gelernt, sich unsichtbar zu machen, dass sie sich
bis heute mit allem begnügt, was ihr von außen angetragen wird. Noch niemand hat sie bellen gehört, ihr Schwanzwedeln
ist bis heute verhalten und ganz klein - das Leben hat sie zu einer demütigen, stillen Hündin gemacht, bei der man das
Gefühl hat, sie wartet immer noch angstvoll darauf, dass sie wieder zurück muss ... zurück in die Hundehölle.
Damit Mariù nicht länger mit dieser ewigen Angst leben muss, damit sie lernt, dass es Menschen gibt, die sie lieben
und beschützen, damit sie zumindest noch eine kurze Zeit ihres Lebens erfährt, was es heißt, glücklich sein zu
dürfen, wünschen wir uns für sie liebevolle Menschen, die ihr ein Zuhause schenken. Menschen, die sie mit viel
Einfühlungsvermögen in ihrer Mitte aufnehmen, die ihr zeigen, dass die Welt auch schön sein kann, die ihr zum ersten
Mal im Leben einen weichen Schlafplatz, Geborgenheit und Seelenfrieden schenken.
Mariù begnügt sich mit allem. Sie verträgt sich mit jedem. Und sie fordert nichts. Wir wissen, dass es irgendwo
einen Platz für sie gibt, einen Platz inmitten einer Familie, die sie liebt und endlich glücklich macht. Wenn Sie diesen
Platz haben, dann denken Sie bitte daran, dass Mariù nicht mehr ewig Zeit hat ...
23. März 2012
Katzentest mit Mariù
Heute haben wir Mariù mit einer Katze zusammen gebracht. Wie erwartet geht die schüchterne Hündin
zurückhaltend mit den Samtpfoten um und tritt lieber den Rückzug an, als sich auf eine Konfrontation einzulassen.
Sie wird auch in einem neuen Zuhause mit Sicherheit gut mit Katzen zusammenleben können.
Mariù war für kurze Zeit in Italien auf einer Pflegestelle und hat sich dort in kürzester Zeit so etabliert, dass sie dort
bleiben durfte.
Vermittelt im April 2012