Einer unserer ganz sanften Setterbuben ist Oreste. Der arme Kerl hat sein gesamtes Leben in der Hundehölle verbracht, aus
der ein Großteil unserer Hunde stammt. Im Gegensatz zu vielen anderen hat er dieses Martyrium überlebt, aber er hat
dabei auch gelernt, sich klein und unauffällig zu machen, um nicht unangenehm aufzufallen und in die Mühlen von Gewalt
und Angst zu geraten, die das Leben dort bestimmen. Darüber ist er in die Jahre gekommen und auch wenn er mittlerweile merken
durfte, dass es Menschen gibt, die ihm Liebe und Zuwendung entgegen bringen, ist er sehr bescheiden geblieben und fordert niemals
etwas ein.
Dafür ist er heute ein Traumschmuser, der sanft und vorsichtig mit allen Menschen umgeht und einem viel mehr Liebe
zurück gibt, als man ihm zukommen lassen kann. Er ist von unglaublicher Dankbarkeit denen gegenüber, die es gut mit ihm
meinen und nimmt hingebungsvoll alles an, was er an Liebe und Zuwendung bekommen kann. Fast unscheinbar lebt er zwischen unseren
vielen Hunden still vor sich hin und fällt nie auf - was völlig ungerecht ist, denn er ist ein Hund, den man einfach
gern haben muss, wenn man ihn endlich mal wahrnimmt.
Mit allen anderen Hunden versteht Oreste sich problemlos. Er ist auch ihnen gegenüber zurückhaltend liebenswert, geht
jedem Ärger komplett aus dem Weg und hält sich lieber etwas im Hintergrund. Er hat die Aggressionen zur Genüge
kennen gelernt, die in einem schlecht geführten Tierheim unter den Hunden an der Tagesordnung sind und weiß, wie er
sich da raushalten kann. Vermutlich wird er sich auch mit Katzen verstehen, aber da er wohl noch nie oder zumindest nicht mehr
seit er ein Welpe war, mit Samtpfoten zu tun hatte, können wir das nicht genau sagen.
Orestes Leben wurde einem Schlag Menschen geopfert, die aus Profitgier bis heute tausende von Hunden in Italien unendlich leiden
lassen. Es wäre so schön, wenn er für die letzten Zeit seines Lebens von verantwortungsvolleren Menschen noch ein
wenig für das entschädigt werden würde, was man ihm angetan hat. Seine Ansprüche sind nicht mehr sehr
groß: ein warmes Plätzchen, liebevolle Menschen, Streicheleinheiten. Leckeres Futter und ein paar schöne
Spaziergänge, auf denen er endlich etwas anderes zu sehen bekommt, als Gitterstäbe mit einem unerreichbaren, kleinen,
blauen Himmelsviereck darüber. Der Duft von Gras, eine Kaninchenspur, der er nachschnuppern kann, ein leckeres Stückchen
Leberwurstbrot - all das war für ihn bisher unerreichbar. Helfen Sie ihm, das doch noch erleben zu dürfen.
Dezember 2011:
Andrea Freund möchte Oreste mit gelegentlichen Paketen zeigen, dass er nicht ganz von der
Welt vergessen ist. Seine Dankbarkeit ist ihr gewiss - und unserer ebenfalls!
Oreste lebt nun auf Usedom.
Dort kann er bei einer lieben Familie seinen Lebensabend in Geborgenheit und Glück verbringen.
Vermittelt im Februar 2012