Als Yole zu uns kam, hatte sie schon eine lange Leidenszeit in einem Privattierheim hinter sich, einer Institution, die den
Namen "Heim" nicht verdient. Vermutlich kam sie dorthin, weil sie zur Jagd nicht taugte, denn ihr wurde der Mikrochip
mit einem dilettantischen Schnitt hinter dem Ohr heraus "operiert" - eine gängige Praxis unter den Jägern,
damit die Herkunft eines Hundes nicht mehr nachvollziehbar ist. Ob es Yole vor ihrem Leben im Privattierheim besser ging, bleibt
zu bezweifeln. Aber mit ihrer Abschiebung begann für sie die Hölle auf Erden.
Denn in ihrem neuen "Zuhause" wurden (und werden bis heute) die Hunde unter den unwürdigsten Bedingungen auf engstem
Raum
zusammengepfercht gehalten, ohne ausreichenden Schutz vor der gleißenden italienischen Sommersonne oder den
Schneeregenfällen im Winter. Eine medizinische Versorgung gibt es effektiv nicht, zu fressen bekommen die Hunde nur so viel,
dass sie eben noch am Leben bleiben. Die Betreuung durch Menschen endet nach dem Hinschütten des Futters, Zuwendung oder
gar Freilauf mit Artgenossen ist nicht im Preis enthalten, den die Hunde dafür bezahlen dürfen, dass Menschen mit
ihrem Schicksal Geld verdienen. Nicht einmal eine ausreichende Reinigung der Gehege ist dort gewährleistet, so dass der Kot
sich als Bodenbelag unter den Pfoten aufhäuft. Schwere Aggressionen zwischen den gestressten Hunden sind an der Tagesordnung,
denn der Kampf ums Überleben ist erbarmungslos und nur die Anpassungsfähigsten kommen durch.
Yole hat sich angepasst - sie wurde unsichtbar. Sie bewegte sich geduckt, gab nie einen Laut von sich und ihre Augen wanderten
hektisch und verunsichert von einer potentiellen Gefahrenquelle zur nächsten. Jede brüske oder auch nur schnelle
Bewegung ließ sie erzittern, jedes laute Wort versetzte sie in Angst und Schrecken. Am liebsten verkroch sie sich und
wollte einfach nur unbeachtet sein - ihr Schutz über so lange, grausame Jahre, der ihr half, zu überleben.
Dass eine sensible Setterseele unter diesen Umständen nicht gesund und fröhlich bleiben kann, ist vermutlich jedem klar.
Und auch Yoles Seele nahm Schaden. Bis heute merkt man ihr die Nachwirkungen an: Sie ist eine oft ein wenig demütig
erscheinende Hündin, die man leicht verunsichern kann. Aber ansonsten hat sie sich prächtig entwickelt und blüht von
Tag zu Tag mehr auf. Mittlerweile liebt sie den Kontakt zu sanften, einfühlsamen Menschen sehr, die ihr Sicherheit und
Liebe schenken. Schmusen ist ihre Leidenschaft und man hat das Gefühl, dass sie versucht, all die Jahre nachzuholen, in
denen der Begriff Zuwendung nicht zu ihrem Wortschatz gehörte.
Yole kommt prima mit anderen Hunden aus und liebt ihren Setterfreund Gioele, mit dem sie zusammen lebt. Spaziergänge gemeinsam
mit ihm findet sie mittlerweile total spannend, auch wenn sie sich noch stark an seiner Unbekümmertheit orientiert. Noch
hört sie nicht sehr gut und sie hat noch nicht gelernt, sich einem Menschen so anzuvertrauen, dass sie sich auf ihn
beziehen möchte. Aber das wird im Laufe der Zeit und mit wachsendem Vertrauen besser werden. Allerdings kann es auch sein,
dass Yole ein wenig schwerhörig ist, das werden wir im Laufe er Zeit noch untersuchen lassen.
Für Yole würden wir uns über settererfahrene, einfühlsame Menschen mit viel Zeit und Spaß an
Outdoor-Aktivitäten freuen, die an der liebevollen Hündin das wieder gut machen, was andere ihr über Jahre angetan
haben. Ein sicher eingezäuntes Grundstück wäre von Vorteil, damit sie sich auch mal ohne Leine im Freien austoben
kann. Am Wichtigsten aber ist viel Liebe und Verständnis für Yole, damit sie endlich zu dem Hund werden kann, der immer
schon in ihr steckt.
Yole hatte endlich richtig Glück in ihrem Leben und konnte eine liebe Familie in Jülich von sich überzeugen.
Vermittelt im August 2012