Sanft, sanfter...Cornelia
Vermutlich war Cornelia eine Hundeprinzessin, denn sie hat ein so feines und edles Wesen, dass es einen anrührt, sobald man
mit ihr umgeht. Aber das haben die groben Menschen, denen sie gehörte, wohl nicht begriffen. Und auch nicht, dass man solch
einen Hund eigentlich auf Händen tragen muss, weil er so selten ist. Statt dessen haben sie sie weggeworfen. Aus welchen Gründen
auch immer man die Kleine los werden wollte, weiß heute niemand mehr. Aber Cornelia war noch sehr jung, als man sie zu dem
Hundehändler brachte, bei dem sie eingesperrt ihr gesamtes Leben verbringen sollte.
Dieser Hundehändler hatte als einen seiner Geschäftszweige entdeckt, dass man mit den ausgesetzten Hunden seiner Gemeinde Gewinn
machen konnte. So nahm er nach und nach immer mehr herrenlose Tiere bei sich auf und kassierte fleißig jeden Tag Geld von den Behörden
dafür. Nur kümmern tat er sich leider nicht um die Tiere. Sie wurden in winzige Gehege gesteckt, aus denen sie den Rest ihres Lebens
nicht mehr heraus kamen. Immerhin mussten die Hunde dort nicht hungern, aber das ist auch das einzig positive, was man über ihre
Unterbringung sagen kann.
Ansonsten sahen diese Tiere nie eine streichelnde Hand, bekamen keine Liebe, hatten nie die Möglichkeit, ihre Beine zu strecken und mit
dem Wind um die Wette zu laufen, konnten keinen ausreichenden Kontakt zu ihren Artgenossen halten, außer durch Gitter. Sie vegetierten
verloren und verlassen vor sich hin, Jahre um Jahre und viele von ihnen haben heute große psychische Probleme. Erst als der Mann
"begriff", dass die Gewinnspanne beim Verkauf von Rassehunden aus dem Osten noch bei weitem größer ist als bei der
Unterbringung der Gemeindehunde, wollte er die Waisen wieder los werden. Und so kamen 21 von ihnen nach Monte, unter ihnen auch Cornelia.
Das Hundemädchen war von je her eher etwas scheu und sehr sanftmütig. Glücklicherweise schaffte sie es dank ihres nachgebenden
Charakters, sich zumindest so weit an ihr einsames Leben anzupassen, dass sie dabei nicht zugrunde ging. Sie bekam bei dem
Hundehändler 4 Welpen von einem Collierüden bevor sie kastriert wurde. Comico, Cipria, Cialda und Collina leisteten ihr seitdem
Gesellschaft und so war sie nicht komplett allein wie andere ihrer Leidensgenossen.
Trotz ihres lebenslangen Martyriums hat sich Cornelia einen wundervollen Charakter bewahrt. Sie ist sehr liebevoll mit Mensch und
Tier, bescheiden und leicht unterwürfig, unglaublich dankbar für jede Zuwendung, jede Streicheleinheit und jedes liebevolle Wort, das man
an sie richtet. Durch und durch eine Setterlady ist sie intelligent, sensibel und feinfühlig. Sie ist die Sanftheit in Person und sehr
menschenbezogen, obwohl sie das noch nie wirklich ausleben konnte. Um so mehr genießt sie jetzt die Nähe der Zweibeiner und sucht den
Kontakt, aber ohne jemals aufdringlich zu werden. Mit allen anderen Hunden versteht sie sich bestens, ist aber auch bei ihnen immer
eher zurückhaltend.
Leider sind die Jahre, in denen sie der Witterung schutzlos ausgesetzt war und in denen sie sich nie ausreichend bewegen konnte, nicht
spurlos an Cornelias Gesundheit vorüber gegangen. Sie leidet heute unter Arthrose und ist dadurch für ihr Alter nicht mehr allzu gut
auf ihren 4 Pfoten unterwegs. Durch die schlechte Haltung ist ihr an sich wunderschönes, dunkel-dreifarbiges Haarkleid komplett
verfilzt und sobald es wärmer wird, wird sie geschoren, damit das seidige Fell ohne Kletten nachwachsen kann.
Bisher hat Cornelia noch nichts vom Leben gehabt. Sie kennt ausschließlich ihr kleines Gehege aus dem sie nie herausgekommen war.
Gras unter den Füßen, eine eigene Schlafstelle, Platz zum Laufen und Schnüffeln lernt sie gerade erst in Monte kennen. Sie war noch
nie auf einer Straße oder in einem Haus, hat noch nie einen Spaziergang gemacht, war nie in einem Bach oder See, um sich bei der
Sommerhitze abzukühlen, kennt nichts als trockene, billige Kroketten als Futter.
Aber gerade weil Cornelia so ein liebenswertes Hundemädchen ist, wünschen wir uns nichts sehnlicher, als dass sie Menschen findet,
die ihr noch ein klein wenig von dem Leben zurück geben, das man ihr vor so langer Zeit gestohlen und bis heute vorenthalten hat.
Sie braucht eine Familie mit sehr viel Einfühlungsvermögen, die sie nach und nach an all das Neue heran führt, das sie noch nicht kennt.
Ein Haus mit eigenem Grundstück wäre für Cornelia ein Traum, der ihr schrittweise ermöglicht, ihren Horizont zu erweitern, ohne dass
sie überfordert wird. Gegen Hundekollegen hat sie nichts einzuwenden, aber sie wäre auch glücklich, wenn ihr ein Mensch endlich
ganz allein gehört. Vermutlich wird sie nie mehr Mammutspaziergänge mit ihren Menschen machen und wie sich ihre Arthrose entwickelt,
ist schwer abzusehen. Aber sie hat so viel Liebe zu geben, dass man ihre Handicaps gern in Kauf nimmt.
Ob Cornelia noch ein eigenes Zuhause findet, ist schwer zu sagen. Aber sie würde sich auch über Paten freuen, die ihr aus der
Entfernung zeigen, dass sie nicht ganz vergessen ist. Hier und da ein kleines Paket mit leckeren Sachen würde sie glücklich machen,
und wenn sie dann noch jemanden findet, der ihre medizinische Betreuung unterstützt, dann können wir mit Ihrer Hilfe sogar versuchen,
ihr so viel Lebensqualität wie möglich zurück zu geben.
19. April 2013
Heute war es endlich warm genug, um Cornelia von ihren Zotteln zu befreien. Sie hat die Prozedur ladylike über sich ergehen
lassen und marschierte sichtlich erfreut über ihr neues Sommer-Outfit aus dem "Salon" :-).
Cornelia |
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Rasse | English Setter |
Geboren | 2001 |
Größe | ca. 59 cm |
Kastriert | Ja. |
Krankheiten | Arthrose, ansonsten keine bekannt, gechipt, geimpft, bei Ausreise auf
Leishmaniose getestet. |
Behinderungen | Keine. |
Verträglich mit | Rüden, Hündinnen, Kindern. Katzen nicht bekannt, aber vermutlich ja. |
Cornelia hat es nach Nürnburg verschlagen, wo sie eine liebe Familie von ihren Qualitäten überzeugen konnte.
Das gesamte adopTiere-Team wünscht der netten Hundedame alles Gute!
Vermittelt im Mai 2013