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17. Juli 2012

Sinia

Es war Ende Mai 2012, als Patricia auf Drängen eines Bekannten zu einem Grundstück fuhr, auf dem sich drei Jagdhunde in sehr schlechtem Zustand befinden sollten. Die Hunde waren anscheinend nur noch am Leben, weil ihr Bekannter einmal in der Woche dort vorbei schaute, und den Tieren aus Mitleid Futter vorwarf. Das sollte sich als nicht so ganz falsch herausstellen.

Auf dem weitläufigen Gelände standen haufenweise ausgediente, zerfallene Lagerhallen, in denen im Zweiten Weltkrieg Kriegsgefangene untergebracht gewesen waren. Eine morbide Atmosphäre von Angst und Tod lag über der ausgestorbenen, fast mucksmäuschenstillen Anlage. Erst nach einigem Suchen stießen sie auf einen alten, groben Mann, der gerade dabei war, mehreren Kaninchen den Garaus zu machen. Freiwillig und fast stolz gab er Auskunft über seine drei Hunde, während er sein blutiges Geschäft ungestört weiter verrichtete. Es sollte sich angeblich um zwei Rüden und eine Hündin handeln, von denen er vorgab, sie wie seine Kinder zu lieben. Patricia entdeckte die drei schließlich hinter einer der Ruinen in zwei nicht viel besser aussehenden Zwingern.

Ihre Gefängnisse bestanden aus verrosteten Drahtwänden und Baustahl, in denen sich nicht viel mehr befand als je eine modernde, innen komplett verschimmelte Hundehütte mit undichtem Dach. Das vorhandene Wasser war schmutzig grün vor Algen und vermutlich ewig nicht mehr ausgewechselt worden. In einem Napf lagen Käserinden und Essensreste, die ihr Bekannter mitgebracht hatte. Vom Besitzer gab es jeden Tag nur ein Stück trockenes Brot.

Sinia Sinia Sinia
Sinia Sinia

Es dauerte einige Zeit, bis sie das Welpenmädchen sah, denn zuerst kam der Setterrüde Sano an die Gitter. Er ist der Vater der Kleinen, befand sich in einem entsetzlichen Zustand und war dem Tod näher als dem Leben. Im Gehege nebenan kauerten die beiden Hündinnen: eine sehr schöne aber ängstliche und ebenfalls stark abgemagerte, orange Setter-Bretonen-Mixhündin mit Namen Sienna.

Und schließlich die Tochter der beiden: Sinia - wunderhübsch aber völlig verschüchtert. Als einzige war sie nicht unterernährt, das Säugen bei der Mutter hatte sie bei guter Gesundheit erhalten.

Mutter und Tochter verkrochen sich erst mal in der Hüttenruine, aber als Patricia mit Futter in den Zwinger ging, kamen sie schließlich hervor. Wie sich im Gespräch mit dem Alten heraus stellte, handelte es sich bei der Mutter um eine Englisch Setterhündin mit einem Viertel Bretonenanteil. Ihr Tochter Sinia trägt also zu 7/8 English-Setter-Blut und zu 1/8 Bretonen-Gene in sich.

Mama Sienna war im Herbst ungewollt von Sano gedeckt worden und als der Besitzer den Wurf Welpen entdeckte, ertränkte er die vier Hundebabys, die er fand, im Angesicht der Mutter. Allerdings übersah er dabei die kleine Sinia, die sich in der hintersten Ecke der dunklen Hütte versteckt hatte. Bis der Mann bemerkte, dass er einen Welpen vergessen hatte, war Sinia so groß geworden, dass selbst ihm bei dem Gedanken, sie nun noch zu töten, nicht wohl war. So überlebte die Kleine und wuchs versteckt hinter ihrer Mutter auf.

Seit Anfang Juni lebt die kleine Hundefamilie nun im Tierheim. Während Sienna und Sano sich schnell zu echten Kampfschmusern entwickelten und mittlerweile freudig angelaufen kommen, wenn man sie ruft, tut Sinia sich bis heute mit dem Kontakt zu Menschen schwer. Sie ist fröhlich und unbeschwert, so lange sie mit ihren Eltern zusammen ist. Mama Sienna ist ihr großes Vorbild und was immer diese tut, macht Sinia ihr nach.

Sinia Sinia
Sinia Sinia



23. Januar 2013 Sinia, der Schneehase

Sinia befindet sich seit Ende Dezember auf einer Pflegestelle und macht sich dort bereits sehr gut. Sie lebt sich zunehmend ein und orientiert sich inzwischen auch schon sehr gut an ihrem Pflegefrauchen. Mit den anderen Hunden verträgt sie sich rundherum und sie macht jeden Tag neue Fortschritte.

Trotzdem benötigt Sinia Menschen, die ihr Zeit lassen und ihr die Sicherheit bieten, die sie derzeit noch benötigt. Mit Geduld und Liebe wird sich das liebenswerte Hundemädchen zu dem fröhlichen Wirbelwind entwickeln, der eigentlich in ihr steckt.

So manches Mal blitzt der Schalk in Sinia auch schon hervor. Der Schnee macht ihr zum Beispiel so viel Spaß, dass wir schon gerätselt haben, ob sie wohl in ihrem früheren Leben eine Schneefräse war . Sie entwickelt eine solche Leidenschaft für Bocksprünge in der weißen Pracht, dass vor lauter Lachen kein Auge trocken bleibt.

Sinia Sinia Sinia
Sinia Sinia Sinia

Sinia Sinia
Sinia Sinia


Sinia
Sinia
 
Rasse English Setter (-Breton Epagneul-Mix)
Geboren ca. November 2011
Größe 50 - 55 cm
Kastriert Ja.
Krankheiten Keine bekannt. Gechipt, geimpft, negativ auf Leishmaniose getestet.
Behinderungen Keine.
Verträglich mit Rüden, Hündinnen, Kindern. Katzen nicht bekannt.


Sinia hat eine nette Familie um die Pfote gewickelt und ist zu ihnen nach Werne gezogen.

Vermittelt im März 2013

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